Von Glocken, Krankheiten und Golfplätzen…

Jetzt sind schon wieder 3 Wochen seit dem letzten größeren Artikel vergangen. Wie schon ich im letzten Beitrag am Ende berichtet habe, musste ich nach meiner Rückkehr aus Washington umziehen. Das ganze war eine ziemlich stressige Aktion. Erst freut man sich den Abend und das Wochenende schön ausklingen zu lassen und dann so was. Der Grund warum ich umziehen musste war, dass die Verwaltung alle Leute, die gerade auf dem Campus wohnen, enger zusammen leben lassen wollte. Außerdem sind die Häuser, in denen wir jetzt untergebracht sind, viel neuer und auch etwas größer. Mein Zimmer ist jetzt etwa 1,5x so groß wie das alte und auch die gesamte Einrichtung ist neuer (z.B. haben wir jetzt auch einen 42“ Flachbildfernseher). Außerdem wohne ich jetzt mit meinem ehemaligen Nachbar zusammen. Er ist Russe und macht gerade seinen Master in Bioinformatik (hat aber schon einen Abschluss in Chemie und Physik). Für alle die, die Big Bang Theory kennen: Er erinnert mich sehr stark an Shaldon Cooper :D, ist aber ansonsten ganz okay. Sein English ist aber für die Tatsache, dass er schon seit Oktober hier ist, noch relativ schlecht.
Mittwochs war dann Kasey Kahne, der am Sonntag zuvor seinen ersten Sieg für HMS feiern konnte in der Firma und hat die „Victory Bell“ geläutet. Die „Victory Bell“ ist eine Glocke, die auf einem kleinen Wägelchen von dem Fahrer und seinem Renningenieur durch die Firma bewegt wird. Dann werden an die Mitarbeiter Sachen wie z.B. T-Shirts oder Kappen verteilt. Außerdem lernt man so auch die Fahrer und die Renningenieure kennen. In diesem Fall war es jedenfalls so, dass ich Kasey Kahne fast übersehen hätte. Ich habe ihn zum ersten mal getroffen und ich schätze, dass er dann gerade so die 1,70m an Körpergröße überschreitet. Da kann das ja mal passieren. 😀
Am folgenden Samstag war ich dann den halben Tag am Lake Norman. Der See ist ein Stausee und etwa 30km nord-westlich von der Uni gelegen. Es ist wirklich schön da, nur leider darf man nicht schwimmen, warum auch immer. Aber trotzdem ist es besser als in der Wohnung sitzen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag meinte jedenfalls mein Magen mir einen Streich spielen zu müssen, dieser Schelm. Somit war der Sonntag komplett gelaufen und ich lag mit einer Mageninfektion (oder was auch immer) nur im Bett oder auf dem Sofa rum und konnte weder Flüssigkeiten noch feste Nahrung zu mir nehmen. Gegen Abend wurde es dann besser und ich konnte wenigstens wieder Wasser trinken. Allerdings ging es mir am nächsten Tag noch so schlecht, dass ich nicht im Geschäft war.
Als ich Dienstags wieder zurück war, habe ich eine Aufgabe bekommen die mich den Rest der Woche beschäftigt hat. Ich sollte den kompletten Riementrieb und die Lagerauslegung für Ölpumpe, Wasserpumpe, Lichtmaschine und Servopumpe durchrechnen und in Excel so entwickeln, dass wir einen kompletten Kalkulator haben, dass man lediglich noch die Scheibengröße bzw. Übersetzung eingeben muss und dann direkt die maximale Riemenspannung raus kommt. Die Aufgabe resultiert noch aus den Problemen aus Talladega bei denen uns 2 Ölpumpen bzw. die Lager auf Grund von statischer Überbelastung ausgefallen sind.
Mittwochs war dann das EM-Fußballspiel gegen Holland. Als ich morgens ins Büro kam, hab ich als erstes mal die Fahnen gehisst. Das Problem für mich war nur, dass die Spiele wenn sie in Deutschland um 20:45 starten bei mir schon um 14:45 starten, d.h. ich bin noch mitten am Arbeiten. Allerdings geht es, dank des Internets, dass ich das Spiel dann via Live-Stream nebenher auf meinem 2. Bildschirm im Eck laufen hatte und es so gut verfolgen konnte.
Den Samstag habe ich dann wieder am See verbracht. Hier ist inzwischen der Sommer angekommen und so ist es morgens wenn ich das Haus um 7 Uhr verlasse meistens schon so 25°C warm. Mittags haben wir dann oft Werte zwischen 33 und 38°C im Schatten. Der Wetterbericht untertreibt immer etwas aber für nächste Woche hat er auch 38°C gemeldet. Mal sehen ob dann die 40°C Mittags drin sind. Den Sonntag habe ich damit verbracht mich bei dem Fußballspiel gegen Dänemark zu langweilen. Nebenher lief glücklicherweise das NASCAR-Rennen in Michigan, das auf Grund von Regen 2h nach hinten verschoben wurde. Bei dem Rennen konnte Dale Ernhardt jr., der für uns das Auto mit der Nummer 88 bewegt, seit 4 Jahren und 2 Tagen wieder einen Sieg feiern. Er kündigte in einem Interview nach dem Rennen schon an, dass er die Hölle aus der „Victory-Bell“ läuten wird. Dienstags kamen sie dann und alle waren schon gespannt und er hat seine Drohung wahr gemacht. Dazu gab es mal wieder ein T-Shirt. Unten ist ein Video davon eingefügt, auf dem man mich auch bei genauem hinschauen sieht. 😉
Ich weiß nicht ob ich es im letzten Beitrag schon erwähnt hab, jedenfalls wurden wir zum Teambuilding, Mittwochs auf den Golfplatz ums Eck eingeladen. Einige der Mitarbeiter, die noch nie gegolft hatten, waren nicht ganz so zu frieden. Im gesamten Engine-Shop gibt es von den ca. 100 Mitarbeitern nur etwa 10, die aktiv Golf spielen. Von daher war es für die meisten eine neue Erfahrung. Es wurde Captains-Choice gespielt. Das heißt: Alle Schlagen ab und dann wird der best liegende Ball rausgesucht (nicht unbedingt der weiteste) und von da spielen dann alle in der Gruppe wieder weiter. So geht das bis der Ball im Loch liegt. Der Platz hat es ganz schön in sich, überall Wald, Sumpf, Wasser oder biotopischer Urwald. Aus dem Grund habe ich auch auf den ersten 9-Loch 14 Bälle verloren. Auf den 2. wurde es dann besser. Das ganze hat allen sehr viel Spaß gemacht, auch denen, die vorher der Idee ziemlich abgeneigt gegenüber gestanden sind. Will, der nicht golfen wollte, hatte stattdessen Angeln dabei und war an dem einen Loch mit See angeln.
Als neue Aufgabe soll ich nun das Ausdehnungsverhalten unseres Zahnriemens unter eines gewissen Drehmoments untersuchen, da davon die Ansteuerung unserer Ein- und Auslassventile und somit auch die Leistung abhängt. Da die alte Messmethode mir und auch Bryan zu ungenau war, hat er beschlossen, dass ich ein neues Verfahren entwickeln soll. Das ganze wird dann am Ende nicht mehr wie bei der alten Methode analog abgelesen, sondern alles digital über Labview ausgelesen. Freitags mittags wurden dann die Griechen von der EM nach Hause geschickt. Wieder hatte ich den Live-Stream laufen und nach gerade mal 5 gespielten Minuten kam Bryan vorbei und wollte eigentlich was ganz anderes und hat gesehen dass ich Fußball laufen habe. Er hat dann 5 Minuten Fußball geschaut und mich dann weiter arbeiten lassen. Allerdings ist die Kombination aus: Freitag-Nachmittag, Fußball-Viertelfinalspiel, über Whatsapp nebenher chatten und noch mit einer Kollegin über Lync zu diskutieren, ob Deutsch oder English die coolere Sprache ist, nicht gerade Arbeitsgeschwindigkeit fördernd. 😀
Jetzt sitze ich mal wieder am See. Dank meines Handys bin ich aber trotzdem weiterhin ganz normal mit dem Internet verbunden (über USB) und dazu auch noch viel schneller als erwartet. Die Geschwindigkeit ist fast so hoch wie über W-Lan. Hier versuchen sich eine Horde Inder am Beach-Volleyballspielen, was sehr unterhaltsam ist. Heute morgen war ich noch in Charlotte, beim Fotoladen meines Vertrauens. Als ich gesehen hab dass sie das Canon EF 85mm 1:1,2 II da haben, habe ich gefragt, ob ich es mal testen kann. Eigentlich wollte ich es an meiner 5D testen, aber stattdessen wurde mir das Objektiv an eine 5D Mark 3 geschraubt und in die Hand gedrückt. Ich muss sagen: Mächtig ist es schon und obwohl kaum Licht in dem Raum war, konnte man ohne Problem mit ISO 100 und kurzer Belichtungszeit um nicht zu verwackeln. Aber leider kostet es dann doch etwas arg viel. Jetzt lass ich mal die Inder weiter spielen und werde mal noch schauen ob ich eine schöne Position für ein paar Bilder finde.

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